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“Just to avoid customer´s complaints”

Für alle spät- oder quereingestiegenen, spät -oder querdenkenden Goldwinger.

Vielleicht sollte jetzt am Ende der Saison 2005 und nach 18 Rückrufaktionen an diesem fantastischen, was die Fahreigenschaften angeht begeisternden Motorrad, der GL 1800,  zusammengefasst werden, was bisher alles so passiert ist mit der Wing. Und vor allem, bevor etwas schmerzhaftes passiert, nämlich Euch. Wegen der Wing. Und wegen Honda. 

2000 / 2001

Bereits in der Enderprobung des GL 1500-Nachfolgers am 07.11.2000 nachmittags um  17:19 in Santa Monica kochten zwei 1800er gleichzeitig. Wegen zwangsweise praktiziertem “Parade Mode” (zwischen 20 und 30 km/h) in der Rush Hour von LA. Das waren die Fahrzeuge mit den Rahmennummern 000031 und 000046, für die Genauen unter uns.

Die Honda - Tester vermerkten in ihren Protokollen, dieser Zustand sei nicht akzeptabel. Und gaben dies an R&D (Research and Development) weiter. Recht hatten sie!

Wie reagierte Honda USA?

Eine oberflächliche Überprüfung der Meldung der hauseigenen Techniker lenkte in die falsche Richtung. Man war Ende 2000 der Ansicht, es läge lediglich eine Fehlanzeige des Thermometers vor. In diesem Glauben hielt man die Händler und Kunden bis 2002/2003! Honda brachte das Fahrzeug trotz des beobachteten Mangels 2001 auf den Markt. Und im Prospekt erschien damals eine nebulöse Aussage, bei der sich wohl keiner, außer Honda, irgendwas gedacht hatte: das Motorrad kühle auch bei langsamer Geschwindigkeit gut! Hallo? Wann hat man jemals so etwas gelesen?

Weitere Untersuchungen zum Thema Überhitzung (OH) fanden 2001 überhaupt nicht statt. Allerdings gab es diesbezügliche Beschwerden von Kunden. Und zwar reichlich. Die erfuhren dann von Honda, das alles nicht so schlimm sei, man könne, den Zeiger des Thermometers im Roten, ruhig weiterfahren, da könne nichts passieren.

Nochmals: wann hat man jemals so etwas gehört?

Oder der Kunde durfte Frechheiten schlucken wie: “This motorcycle was not designed for low speed modus” (Dieses Motorrad wurde nicht zum Langsamfahren gebaut (Du Depp)). Arroganz lässt grüßen!

“To avoid customers complaints” (um Kundenbeschwerden zu vermeiden - O-Ton Honda USA) und um Zeit zu schinden, nicht aber wirklich nachzubessern, Garantieansprüche erlöschen ja irgendwann,  beschloss man Ende 2001 dem Kunden in den Kabelbaum  zum Thermometer einen schicken Widerstand für ein paar Cent einzubauen. Dieser bewirkte nichts. Außer, dass der rote Bereich nicht bei 122°, sondern erst bei 126°C erreicht wurde. Gewonnene Zeit bis zur Rotanzeige: 2 Minuten! Dies aber zu Lasten der Sicherheitzone zwischen Zeigereintritt ins Rote und tatsächlichem Öffnen des Sicherheitsventils im rechten Kühler bei 129,5°C = Motorkochen. Der Kunde wird´s nicht merken.

2002

Merkte er doch. Und die Amis beschwerten sich. Weil Honda sie veralberte, schließlich bei der Regierung. Und die tat was!

Umfangreiche Untersuchungen im Jahre 2002, die auf Druck der US - Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA erfolgen mussten (!) machten dann Honda schlauer.   Und Beine.

Von wegen Anzeigefehler! Die Konstruktion der Zwangskühlluftführung gegen die Fahrtrichtung war und ist falsch.  Einzige Abhilfe, die die Honda-Techniker damals sahen, war eine Änderung der Kühlluftführung auf die konventionelle Art. Es sei bis zum Modelljahr 2005 möglich, die Neukonstruktion in die Serie einfließen zu lassen, vorausgesetzt, man nähme Änderungen im Fahrzeugdesign in Kauf. 

Derweil verbaute man weiter Widerstände und hoffte auf befriedete Kunden.

Wie wir heute wissen, wurde die neue Kühlung bisher nicht realisiert. Die Techniker hatten verloren. Die Kalkulatoren (“kostet bloß Geld”) und die Firmenideologen (“bloß keine Fehler eingestehen”) hatten mal wieder gesiegt.  Stattdessen baute man Euch  letztendlich die geänderten ECM ein. O-Ton Honda hierzu: “...we will introduce a remedy in software aspects and have a careful  watch what will happen on the market.” (Wir bauen mal ein Sofwaremittelchen ein, schaun ´mer mal, was am Markt passiert).

Im Sommer 2002 zeichnete die Wing sich durch folgende typische Probleme aus, die in der Qualitätsumfrage der IG GL 1800 bei bis zu 50% der Befragten genannt wurden. Und die Befragung erhebt den Anspruch statistischer Relevanz, um diesbezüglichen Bedenken der berufszufriedenen vorzubeugen!

Miese Lackierung, bis heute nicht gebessert, klemmende Kofferdeckel, Tachozeiger, brummende Intercom, streikende Lambdasonden ...usw. alles kleine Sündenfälle am Teuertourer im Vergleich zu dem, was kommen sollte. Dinge, die man mit genügend Geschick und Sachkenntnis auch in der Garage  lösen kann, wenn Honda hilflos.

Kommentar führender Hondatechniker aus Offenbach beim Treffen mit der IG GL 1800 zum Thema Überhitzung: “Die ECM kann Ihr Problem nicht lösen! Sie gewinnen wiederum allenfalls ein paar Minuten”.

Honda verkaufte Euch diese Mogelpackung unter: “Produktoptimierung”, wenn ich daran erinnern darf...

2003

Ohne das Problem OH gelöst zu haben, ging es nahtlos in die nächste, noch heftigere Runde in Sachen  Qualität. Hier: Verkehrssicherheit:

Motorschäden durch überhitzte Motoren kann man bei der Wing umgehen, indem man das Fahrzeug abstellt und ein Zigärrchen qualmt oder einfach schneller fährt als 30 km/h. Auch wenn dies schneller sein könnte, als die Polizei erlaubt. Sich also von einem 25.000.- Euro - Motorrad die Fahrt diktieren lässt. OK, wenn´s Euch nicht stört... Mich stört das gewaltig.

Aber was, wenn an dem bereits produktoptimierten Fahrzeug sich noch ein mangelhafter Rahmen findet?

Ganz im Stil des Hauses Honda läuft das so ab:

Im Sommer 2003 (die ECM  stand gerade vor der Einführung) brachen in USA die ersten Rahmen. Honda ging offiziell vorsichtshalber und sicher wider besseren Wissens davon aus, es handele sich um Einzelfälle, obwohl man seitens des Herstellers bereits damals allen Grund zur Sorge gehabt haben musste, dass Schlimmeres ins Haus stand. Dort kannte man den Grund für die fehlende Festigkeit der Nähte bestens. Hierzu später.

Den ersten betroffenen US-Kunden, denen da das Motorrad im wahrsten Sinne des Wortes unter dem Hintern zusammenbrach, ersetzte man das hochwertige  Luxusgefährt  innerhalb von wenigen Tagen. Die Maschinen verschwanden im Werk. Eine Neue stand fluchs vor der Tür. Kunde war zufrieden und hielt vor allem das Maul. Als die Vorfälle sich häuften, war aber schnell Schluss mit lustig, geschweige denn mit neuen Wings als Ersatz.

2004

Wieder schaltete sich NHTSA ein und zwang Honda zur m.E. aufwendigsten Rückrufaktion in der Geschichte des Motorrads. Und wie wir heute wissen, reichte das immer noch nicht.

 Was war passiert? Aus Kostengründen war ein aufwendiges Alu-Schweißverfahren gegen ein weniger aufwendiges ersetzt worden. Keep cool man! Nach damaliger Aussage von Honda bei “einer kleinen Zahl von Motorrädern”. (Ohne rote Ohren haben die das vorgetragen!)

Ergebnis. Etwa 13.000 Fahrzeuge, 1/3 der gesamten Produktion wurde 2004 nachgeschweißt. Sorry, produktoptimiert. Aber wie? Von einer 360° - Naht wurden nur 120° erneuert. Weil der Rest nicht zugänglich ist bei eingebautem Motor. Das war´s. 240° von 100% der fehlerhaften Nähte blieben mangelhaft. Produktoptimierung - oder was? Diletantismus eventuell?

Das war: Produktoptimierung, die 2.!

Schon 2004 haben wir uns gefragt, wieso fast 20% der Rahmenbrüche  außerhalb der offiziell von Honda angegebenen Serien lagen und die IG GL 1800 forderte für alle Fahrzeuge eine kompetente Rahmenprüfung mittels Wirbelstromverfahren, Röntgen o. Ähnliches.  Aufwand: etwa Euro 500.- pro Fahrzeug.

Selbstredend kam es hierzu nicht. Honda Europe North war ohnehin fein raus - aus den von Honda dem NHTSA genannten Serien waren nur 8 Einheiten nach Offenbach gekommen. Schwer Schwein gehabt, die netten Jungs aus Offenbach! Sonst nix! Süd hatte übrigens weniger Glück: allein in Frankreich wurde an über 500 Edelbikes rumgebrutzelt. In der Saison, versteht sich....

Honda- Offizielle lagen sich im Sommer  2004 mit den Präsis der großen Clubs auf Treffen in den Armen und waren lieb zueinander. Der Sommer war kühl,  die ECM und nicht linear anzeigende Instrumente türkten vortrefflich bedenkliche Fieberschübe der Motoren, das Rahmenproblem war für die Gläubigen unter uns beseitigt und die Typen von der IG GL1800 vermutlich Spinner. War doch klar.

2005

 Bereits um die Jahreswende ging der Zauber wieder los: Traum und Wirklichkeit des roten Riesen und dessen braven Kunden: die Rahmen brachen weiter und in USA reagierte das NHTSA ausgesprochen sauer. Honda wurde zum dritten mal unter Strafandrohung aufgefordert, die Hosen runterzulassen und die Karten auf den Tisch zu legen.

Das Ergebnis, mit dem sich der Kunde konfrontiert sah und wieder mal in die Röhre schaute:

Produktoptimierung, die 3.

2005 wurde nochmal zurückgerufen, geprüft und nachgeschweißt. In der Saison, ist doch klar. Honda gibt heute zu: hochwertiges TIG-Aluschweißen, wie die Konstrukteure des Rahmens vorgesehen hatten, fand so gut wie gar nicht statt.

Nicht nur bei einigen begrenzten Serien, wie 2003/2004 behauptet. Ab Fahrzeugnummer 000010 wurde gepfuscht! Nochmals wurden locker 12.000 Einheiten nachgeschweißt, doppelt so viel geprüft und ggf. ebenfalls repariert.  Was dann die  Wertminderung der geflickten Fahrzeuge angeht, ist Honda völlig wurscht. (Wer möchte eigentlich ein Motorrad mit geflicktem Rahmen, hm?)

Und die Qualität der Reparatur?  Ist denn wirklich jetzt alles OK? Alles, wenn von etwa eineinhalb Metern Schweißnähten an diesem Motorrad 12 cm nachgeschweißt wurden? Wenn die Festigkeit einer Schweißung mit einer außen angelegten Lehre “geprüft”  wird? Wenn über andere bereits mehrfach gebrochene Rahmenteile als die untere Querstrebe nicht einmal gesprochen wurde? USW!

Mein persönliches Resume:

Honda USA hat gelogen, betrogen, gefälscht und den Kunden dem unglaublichen Risiko eines mangelhaft gefertigten Rahmens ausgesetzt. Hat äußerst halbherzig und schleppend nachgebessert.  Honda Europe North musste die Firmenpolitik mittragen. Das, obwohl gerade die Geschichte der Wing mit eklatanten Rahmenproblemen in Deutschland begann, die zu Todesfällen geführt haben. Habt Ihr das eigentlich vergessen? Honda (das Mutterhaus in Japan, die Herrschaften in Amiland) hat es vergessen.

Was darf man glauben, was muss man befürchten?

Honda braucht Druck durch staatliche Institutionen. Ohne die rücken sie nicht raus mit der Wahrheit und bessern nicht wirklich Schlampereien nach. In USA findet das jetzt endlich statt, das KBA aber schweigt. Der Kunde steht im Regen, wenn er den roten Burschen glaubt.  Es wird schon gut gehen, oder auf Kölsch: Et hät noch ever jood jejange. Was H. interessiert, ist ein möglichst geringer Reparaturaufwand, irgendwas tun,  “just to avoid customers complaints” - aber nicht Perfektionierung, wie behauptet. Schon gar nicht der Perfektionismus, mit dem Honda groß geworden ist und der Respekt gebietet.

Nach der ersten Rahmenschweißaktion 2004 behaupteten wir (die IG GL1800): das war noch nicht alles, da kommt noch was. Es tut wirklich nicht gut, recht behalten zu haben. Nicht immer. Ich wage jetzt noch eine Aussage: wir werden erleben, dass geschweißte Rahmen brechen. Vielleicht erst in 5, 10, 15 Jahren. Aber dann? Immer noch Produkthaftung aus Offenbach für Witwen und Waisen?

 Mir reichts. Super Motor, super Fahrwerk, super Bremsen, super Komfort. Alles egal bei super Risiko. Ich bewege dieses Fahrzeug nicht mehr mit über 200 km/h über die Bahn. Andere Mütter haben durchaus auch attraktive Töchter.

Oder: 

Die Wing wird nach dem Desaster erst gut.  Hoffentlich ist das bald!
 

 Rainmaker (Verfasser in der GL1800-Szene namentlich bekannt)

"THIS MOTOR-CYCLE WAS NOT DESIG-NED FOR LOW SPEED MODUS"